Eine Kasuistik für Ärzte/Innen
Februar 2005
Autor:
Dr. med. G. Heeb, 9016 St. Gallen
Kommentar:
Dr. med. H. Etter, 9000 St. Gallen

Die Entwicklungshelferin (Helga M.) entwickelte nach der
Einnahme einer prophylaktischen und therapeutischen
Mefloquin-Dosis (Mephaquin®) in Zentralafrika eine schwere
Psychose, welche zur Repatriierung nach Europa und Hospitalisation führte. Was steckte dahinter?
Als Entwicklungshelferin in Uganda
Helga M., 70kg, absolvierte einen mehrmonatigen
Aufenthalt in einer Missionsstation und nahm vom Oktober bis
November 04 1 Tbl
Mephaquin® (250mg) pro Woche ein. Ende
November Auftreten von Kopfweh, Fieber bis 40 ° C und
Durchfall. Der lokale Arzt verabreichte insgesamt 6 Tabl
Mephaquin® innerhalb 24Stunden (=21mg/kg), worauf Helga
entfieberte.
Zunehmende Verwirrung- Repatriierung und Hospitalisation
Nach 10 Tagen änderte sich die psychische Verfassung,
indem Helga alles schwarz sah, misstrauisch wurde, massive
Ängste entwickelte, Freunde nicht mehr erkannte und
ausreissen wollte. Sie musste überwacht, gepflegt und
ernährt werden. Anschliessend erfolgte die Repatriierung
nach Europa und eine Hospitalisation zur Einleitung einer
antipsychotischen Therapie mit Haldol und Zyprexa. |
Beurteilung
(Dosisabhängige) neuropsychiat-rische Nebenwirkungen
können unter Mefloquin-Prophylaxe und Mefloquintherapie (Lariam® /
Mephaquin®)
auftreten. Schwindel, Angstzustände, Panikattacken und
Depressionen sind am häufigsten, weiter sind beschrieben
Psychosen, Insomnie, Halluzinationen, Konvulsionen, Ataxie
und Suicide nebst weiterer Nebenwirkungen nicht
neuropsychiatrischer Art (Erbrechen, Uebelkeit, Kopfweh und
selten Herzrhythmus -störungen, Blut- und Leberveränderungen).
Dabei sollen in 40 % diese Nebenwirkungen "bald nach der
ersten Dosis“ und in 75% nach der 3. Dosis manifest werden.
Auf Grund der negativen psychiatrischen Vorgeschichte und
wegen des engen zeitlichen Zusammenhanges mit der Einnahme
von Mefloquin wird diese Psychose am ehesten als
mefloquininduziert interpretiert. Differentialdiagnostisch
kommt eine Schizophrenie in Frage. Therapeutisch besserten
sich die Symptome unter Haldol und Zyprexa innerhalb von 10
Wochen.
6 take home messages
- Nehmen Sie die Verunsicherungen der Reisenden ernst,
wenn diese Aengste vor Nebenwirkungen oder Ablehnung vor
Mefloquin äussern. Alternativ empfehlen Sie dann
prophylaktisch
Malarone® oder
Doxycycline, therapeutisch
Malarone® oder
Riamet®.
- Beachten Sie die Kontraindikationen von
Mefloquin
("psychiatrischen Leiden", Depressionen, Epilepsie,
Psychosen; Schwangerschaft nur bedingt!)
- Geben Sie in Ihrer Praxis
Lariam® oder
Mephaquin® nur
mit Ihrem Einverständnis ab!
- Reisende mit einem Körper-gewicht von < 60kg klagen
häufiger über Nebenwirkungen.
Tipp: Dosis reduzieren auf ¾ Tbl /Woche oder und
splitten auf 2 Einnahmedosen nach dem Essen.
- Mefloquin bleibt zur Zeit weiterhin erste Wahl als
Prophylaxe (Afrika) und Therapiereserve für gewisse
Destinationen
- Mefloquin nicht prophylaktisch und therapeutisch
verordnen.
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Kommentar
Dr. H. Etter, St.Gallen
H.M. arbeitete mit sterbenden AIDS-Kindern. Sie erhielt
Mefloquin wöchentlich, dann als Behandlung für ein Fieber,
das kaum einer Malaria entsprach. Die Psychose trat auf, als
alle Bezugspersonen abwesend waren. Auslöser der Psychose
waren die belastende Lebenssituation und die N.W. von
Mefloquin in unnötig hoher Dosierung.
Die lange Halbwertszeit (>2Wochen) von
Mefloquin ist der
Grund dafür, dass auch neuropsychiatrische N.W nach dem
Absetzen des Medikamentes für Wochen persistieren.
Als neuropsychiatrische Nebenwirkungen von
Mefloquin
sieht man bei Rückkehrern vor allem Schlafstörungen und
leichte psychotische Zustände. Der vorliegende Fall ist in
seiner Schwere absolut ungewöhnlich.
Jeder Reisende MUSS wissen, dass er
Mefloquin bei
Auftreten von psychischen Nebenwirkungen absetzen MUSS. |