Kasuistik: Hepatitis A Impfung bei Kindern
Autor:
Dr. med. G. Heeb, 9016 St. Gallen
Zusammenfassend
soll der Hausarzt beim Kind zu einer aktiven
Immunisierung gegen
Hepatitis A raten, wenn genügend Zeit zum Aufbau von
Antikörpern besteht, ein längerer Aufenthalt (>2-4 Wochen!)
in einem Hep. A Endemiegebiet bevorsteht, später erneut
Reisen getätigt werden und/oder wenn das Kind älter als 5
Jahre ist und ein orientierendes Elterngespräch
stattgefunden hat.
Als Impfstoff steht vom 1. bis 18. Lebensjahr Havrix
junior (720 E) zur Verfügung, welcher zwei mal geimpft
werden soll. Da auch ein Impfstoff gegen Hep. A+B existiert,
können die Eltern gefragt werden, ob gleichzeitig die
Impfung gegen Hep. B erfolgen soll.
Diese muss aber vor Abreise 2 mal geimpft werden!
Einleitung
Eine Mutter von 2 Kindern, fragte telefonisch an: "Soll
ich meine beiden Kinder gegen
Hepatitis A impfen
lassen?" Ein Gespräch in der Impfsprechstunde (45Min) ergab
nachstehende Befunde. |
Kasuistik:
Ich fand einen fünfjährigen Knaben und ein 2 ½ jähriges
Mädchen in Begleitung des Vaters und der spanisch
sprechenden Mutter vor. Ich erfuhr, dass die Reise nach
Nordkolumbien führte. Die Abreise war geplant ca. 3 Wochen
nach der reisemedizinischen Konsultation. Die Familie
besuchte dort regelmässig die Eltern der aus Kolumbien
stammenden Mutter. Die Kinder würden mit ihrer Mutter ca. 5
Monate in
Kolumbien bleiben und bei den Grosseltern wohnen.
Allergien, durchgemachte Gelb-sucht,
Medikamenteneinnahme, akute gesundheitliche Probleme und
frühere Impfreaktionen waren bei allen Familienangehörigen
nicht bekannt.
Ich empfahl der ganzen Familie eine (aktive) Impfung gegen
Hepatitis A aus folgenden Gründen: Es handelte sich um einen
Aufenthalt in einem Endemiegebiet der Hepatits A, weitere
Aufenthalte waren dorthin geplant (Grosselternbesuch), die
Aufenthaltsdauer betrug 5 Monate, das Kindesalter beim
Knaben war bei 5 Jahren (Kindergärtner).
Von Seiten der Eltern wurde der Wunsch geäussert, alle
Familienmitglieder gegen Hepatitis A zu immunisieren.
So impfte ich die Erwachsenen mit einer Ampulle Havrix-1440
und die beiden Kinder mit je einer halben Ampulle Havrix
1440 intramuskulär in den Oberarm. Um die Angst vor der
dicken Nadel zu mildern, führte ich die Injektion bei den
Kindern mit einer feinen Terumo Insulinnadel aus. Die Kinder
waren mir dankbar, da sie (fast) nichts spürten.
Eine Rechnung an die Krankenkasse kann nicht gestellt
werden, weil die Hepatitis A Impfung keine Pflichtleistung
innerhalb der Grundversicherung ist. |
Diskussion:
Häufig betreffen reisemedizinische Anfragen die
Indikation der Hep. A bei Kindern, weshalb die Reise der
geschilderten Familie beispielhaft alle Kriterien erfüllte,
die ich mir jeweils anlässlich der Beratungs-gespräche vor
Augen führe:
- der Impfzeitpunkt (>2 Wochen vor der Abreise)
- die Destination (Hep. A Endemiegebiet)
- die Dauer des Aufenthaltes und der Reisestil
(Ansteckungsrisiko)
- das Alter des Kindes (< oder >5Jahre)
- die Möglichkeit einer Ausbreitung der Infektion im
Kindergarten/Schule
- die Impfbereitschaft der Eltern
(Impfbefürworter/Impfgegner)
Erfahrungsgemäss präsentieren sich die Argumente pro oder
contra Impfung selten eindeutig. Als Hausarzt kennen Sie die
Patienten und deren Hintergrund am besten und können am
ehesten eine massgeschneiderte Empfehlung abgeben. In meiner
Impfpraxis bringt meines Erachtens eine Immunisierung gegen
Hepatitis A nur bei einem sehr kleinen Teil der Kinder einen
Nutzen.
Anders ausgedrückt: Bei einem Grossteil der Kinder, die
einmalig, kurzfristig (last Minute) einen 10- bis 14-tägigen
(Kenia,
Thailand,
Brasilien,
Tunesien-)Aufenthalt
"buchen", müssen Sie als Hausarzt kein schlechtes Gewissen
haben, wenn Sie die Impfung wohlüberlegt nicht empfehlen.
Korrespondenzadresse:
Neudorfpraxis Dr. G. Heeb Rorschacherstr. 238
CH-9016 St.Gallen
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