Kasuistik
Author:
Dr. med. G. Heeb, 9016 St. Gallen
Kommentar:
Dr. B. Holzer, Thun
Zusammenfassung
Die folgende Kasuistik berichtet über vier Reisende mit
Epilepsie, bei denen
Mefloquin (Lariam® /
Mephaquin®)
kontraindiziert ist. Auf Grund einer differenzierten Reise-
und Patientenanamnese sind Sie in der Lage, Ihren Patienten
aktuelle Empfehlungen bzgl.
Malaria Prophylaxe und
Malaria Notfallselbsttherapie
zu geben.
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Eckdaten der Reisenden 1 bis 4:
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Destination |
Medikament |
Diagnose |
Malariamedikament |
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SK |
Benin |
Phenytoin |
Epilepsie |
Chloroquin+Proguanil
prophylaktisch
|
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PH |
Kenia,
Sansibar,
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keine |
Epilepsie nach
Meningeomoperation |
Mephaquin®
prophylaktisch |
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KF |
Sudan
|
Keine |
„Krämpfe“ nach
Spritze |
Malarone® prophylaktisch |
|
MZ |
Gambia |
keine |
Hirnblutung mit
Epilepsie |
Fansidar
prophylaktisch |
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Klinik
MZ:
Mefloquin kann bei
Epilepsie das Anfallsrisiko erhöhen. Der Gambiareisende
erhielt als Alternative zu
Mefloquin Fansidar.
Vorteil: wöchentliche Einnahme, Nachteil:
Resistenzentwicklung, Sulfonamidallergie.
SK: Wegen eines
Gelegenheits-anfalls bei Epilepsie rezeptierte der Hausarzt
bei diesem Kind Chloroquin 1Tbl pro Woche sowie ½ Tbl
Paludrin täglich.
PH: Der Pat. nahm Luminal. Dies
wurde wegen Symptomfreiheit im Februar 94 gestoppt. Nach
Rücksprache mit dem Neurochirurgen wurde
Mephaquin®
indiziert, welches problemlos ertragen wurde.
KF: Die klinische Symptomatik
in meiner Praxis war eindrücklich:
KF wollte liegen für die Spritze, weil bei früheren Spritzen
Kollapse auftraten. Ca. 5 Min. nach den Impfspritzen wurde
KF für 1 Minute bewusstlos, verdrehte die Augen, krampfte am
ganzen Körper und nässte ein: Wegen des Grand Mal Anfalles
empfahl ich Malarone® prophylaktisch. |
Diskussion
Mefloquin ist bei Epilepsie kontraindiziert.
Probleme treten auf, wenn die Patienten davon nichts
berichten resp. der Arzt nicht danach fragt. Aus diesem
Grunde sollten vor Abgabe von
Mefloquin die Patienten/innen
gefragt werden, ob sie Medikamente (Antiepileptika)
einnehmen oder an einer Epilepsie leiden/litten.
Bei (LastMinute) Reisen in Malaria
Hochrisikogebiete (Ost-Westafrikanische Länder)
empfehlen Sie eine
Malaria Prophylaxe mit
Bei (LastMinute) Reisen in Länder mit
"kleinem" Malariarisiko (Südamerika, Südostasien)
sind folgende Medikamente (als
Malaria Notfallselbsttherapie) indiziert:
Patienten mit Epilepsie können Sie
Reisedestinationen empfehlen ohne Malariavorkommen! Dieses
orientierende Gespräch sollte vor der Buchung stattfinden! |
Kommentar
von Dr. B. Holzer, Tropenmediziner, Mittlere Strasse 3,
CH 3600 Thun
E-Mail:
rbholzer@bluewin.ch
Die Verschreibung einer
Malaria
Prophylaxe bei Patienten
mit Epilepsie ist ein komplexes Unterfangen. Praktisch alle
Malariamaittel können das mikrosomale CYP450 System in der
Leber beeinflussen und dadurch mit Antiepileptika und
teilweise mit Antidepressiva interagieren. Dazu gehören
insbesondere Mefloquin, Proguanil, Chloroquin und Chinin.
Unter Chloroquin sind vereinzelt auch epileptische
Anfälle bei Nichtepileptikern beschrieben worden.
Trotz verschiedener Probleme gilt die Verschreibung von
Chloroquin mit Proguanil bei PatientINNEN mit Epilepsie als
zuverlässig. Obwohl Pyrimethamin/Sulfadoxin (Fansidar®) vor
allem bei wiederholter Einnahme nicht selten ein schweres
Stevens-Johnson Syndrom auslösen kann, erachte ich dieses
Mittel zur
Malaria Prophylaxe bei Epileptikern als durchaus
geeignet. Malorone®, die Kombination von Atovaquon mit
Proguanil, wird vor allem zur Reservetherapie verwendet. Bis
jetzt ist das Mittel nur in Dänemark zur Prophylaxe
registriert und für diese Indikation schlecht dokumentiert.
Der hohe Preis und die eher bescheidene Dokumentation
schränken die Indikation auf einige wenige Spezialfälle ein.
Korrespondenzadresse:
Neudorfpraxis Dr. G. Heeb
Rorschacherstr. 238
CH-9016 St. Gallen
E-Mail info@osir.ch
Wissensstand Mai 2000
copyright: Dr. G. Heeb |